Schriftenfest 2016


Wer unter »Schriftenfest« eine partyähnliche Veranstaltung nebst Riesenrad und Würstchenbude vermutet, liegt nicht ganz richtig. Ich war mir daher nicht sicher, ob die Bezeichnung »Fest« von meinen Studenten, welche ich zum besagten Ereignis einlud, nicht falsch interpretiert werden könnte. Für Typografie-Interessierte und Liebhaber der Schwarzen Kunst ist diese Veranstaltung, zu welcher der Verein für die Schwarze Kunst sowie die Offizin Haag-Drugulin, allen voran Eckehart SchumacherGebler, alljährlich einladen, in jedem Falle ein »Fest« – im wahrsten Sinne des Wortes .
An einem Wochenende im Juni finden sich hier Schriftbegeisterte zusammen, um Wissen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen und unter Gleichgesinnten zu weilen.

Eine Handvoll Studenten aus München und Berlin, Werkstattleiter Alexander Nagel sowie meine Wenigkeit, folgten am 18. Juni der Einladung des Vereins und machte sich auf den Weg nach Dresden, wo die Veranstaltung in der Offizin Haag-Drugulin stattfand.
Nach einem kurzen Empfang konnte die Offizin von den Teilnehmern besichtigt werden, wobei es jeder Menge »Schätze« zu entdecken gab. Regale voller Bleilettern und Matrizen, wundervolle Initialen, Stehsatz, Schriftmuster, etc., dazu eine beachtliche Handsetzerei und ein eben so beachtlicher Drucksaal. Im Anschluß stellte der Typograf und Schriftexperte Eckehart SchumacherGebler, in der benachbarten Werkhalle, den geretteten Schriftenfundus des VEB Typoart vor, einer beeindruckenden Sammlung von Bleischriften der ehemaligen DDR-Schriftenschmiede. Schrift- und Kulturgut wird hier in Satzregalen 3-fach übereinander gestapelt aufbewahrt, teils liegt Schriftsatz noch originalverpackt in den nebenstehenden Holzregalen.
Der nächste Programmpunkt war eine Vorführung der hauseigenen Schriftgießerei nebst Monotype Satzgießmaschine. Die Offizin bildete in den vergangenen Jahren einen jungen Monotype-Gießer aus, der das Handwerk seines Vorgängers weiterführt.

Nach einer entspannten Mittagspause mit mediteranen Köstlichkeiten, gab es spannende Vorträge, unter anderem vom niederländischen Schriftgestalter Martin Majoor, der Schriften wie Scala oder Nexus entwarf, von Friedrich Forssman, dem Autor von Lesetypografie, Detailtypografie und Erste Hilfe Typografie, von Ferdinant Ulrich, welcher über die Arbeit von Gudrun Zapf-von Hesse berichtete sowie überraschende Ergebnisse der Kis/Janson-Forschung von Eckehart SchumacherGebler.

Leider konnte ich nur dem ersten Tag des Schriftfestes beiwohnen, aber auch nach nur einem Tag kann gesagt werden: Es war ein »Fest«. Wir kommen gerne wieder im nächsten Jahr.

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