Digital war gestern – Zu Gast in der Offizin Haag-Drugulin

Digital war gestern – Zu Gast in der Offizin Haag-Drugulin


Vom 9. bis 13. Januar 2017 besuchten 13 Mediadesign-Studenten, in Begleitung von Prof. Raymond Meier und Werkstattleiter Alexander Nagel, die renommierte Offizin Haag-Drugulin in Dresden. Die Offizin, welche auf eine fast 190-jährige Geschichte zurückblicken kann, ist heute eine der wenigen Werkstätten, in welcher der traditionelle Bleisatz, nebst Schriftgießerei noch professionell betrieben wird.
Zugleich ist der Ort Herberge von unschätzbaren typografischen Raritäten, darunter eine immense Sammlung Monotype-Matrizen sowie Bleischriftbestände der ehemaligen Reichsdruckerei und des VEB Typoart.
Herzlich empfangen werden wir am Montag morgen von Eckehart SchumacherGebler, der die Offizin leitet und als einer der anerkanntesten Schriftkenner der Zeit gilt. Bei einer Führung durch die Offizin wird schnell klar, Prof. SchumacherGebler kennt sie alle – ob Bleischrift, Matrize, Maschine, Schriftschneider oder Typograf. Und mit einem Funkeln in seinen Augen, beginnt der Experte über die Kunst und das Handwerk »Schrift« zu berichten, dass alle ganz still werden und seinen Worten lauschen. Absolute Leidenschaft ist hier am Werk.
Nach einer kurzen Pause am Mittag, stehen unsere Studenten, mit dem Winkelhaken in der Hand, vor den Satzregalen und beginnen Bleilettern zu setzen. Als erstes zu Gedichten, von Schiller, Goethe, Hölderlin und anderen, später werden noch Zitate und kurze Plakattexte hinzukommen. Unter professioneller und unerschöpflicher Anleitung von Schriftsetzerin Ria Mücke und unserem Werkstattleiter Alexander Nagel, entstehen in den kommenden vier Tagen eindrucksvolle typografische Druckwerke.
Die Zeit – so scheint es – ist mit uns an diesem Ort stehen geblieben. Es ist so, als stelle sich hier – fernab vom digitalen Informationsoverload – ein inneres Gefühl der Ruhe und Besonnenheit ein. Digital war gestern!
Die fünf Tage in der Offizin vergehen im Handumdrehen. Nach unserer Abreise wirkt der Besuch noch lange nach. Erst nach und nach werden wir realisieren, welch kostbares Gut wir in den vergangenen Tagen vermittelt bekamen. Vielleicht dann, wenn wir unsere Drucke betrachten, uns an die fachkundigen Erläuterungen von SchumacherGebler erinnern oder daran, dass wir 2017 – in einem digitalen Zeitalter – eine 16 Cicero Holzschrift mit dem Hubwagen von einem Gebäude ins andere gefahren haben.
Ein aufrichtiges Dankeschön dafür an Eckehart SchumacherGebler, Ria Mücke, Max Lotze und Alexander Nagel.

Es gibt 1 Kommentar

Add yours